Du hast aber auch kein schlechtes Leben!

Ja, diesen Satz höre ich immer wieder mal. Meistens mit einem Schmunzeln, manchmal ist es mehr eine Frage und manchmal eine Mischung aus Neugier und etwas Neid.

 

Ein Grund, mit diesem Blogbeitrag mal ein wenig mit dieser Annahme aufzuräumen!

 

Natürlich habe ich ein gutes Leben als Fotograf. „Puh, echt?“ denkst du jetzt? „Ich dachte, jetzt kommt direkt ein Konterargument“. Dann lass mich erklären, was ich mit dem guten Leben meine, und was mit dem guten Leben im Titel meist gemeint ist. Zuerst die Ansicht meines Gegenüber, dann meine:

 

Wenn mir jemand, ich habe ein gutes Leben meint er meist „du bist auf einer Hochzeit, bekommst Essen und Trinken und knipst ein wenig. Und hast eine Menge Spaß. Und dafür bekommst du auch noch viel Geld!“ Ost merke ich, dass derjenige dann mit dieser Aussage auch ein wenig fragen will, ob er denn richtig liegt. Schließlich kann es doch heutzutage gar nicht sein, dass man bei der Arbeit Spaß hat und einfach nur ein schönes Leben mit wenig Arbeit und viel Freizeit führt. Nicht selten kommt in einem solchen Gespräch nämlich auch die Frage, was ich denn so unter der Woche mache und überhaupt im Winter, wenn ja nicht geheiratet wird.

Jetzt zu meiner Ansicht: Ich habe wirklich ein schönes Leben mit der Fotografie. Denn ich habe mir diesen Beruf ausgesucht, weil er mir Freude bereitet! Wäre dem nicht so, hätte ich ihn gewiss nicht gewählt. Es ist toll, Hochzeiten zu fotografieren, viele Leute kennenzulernen und mit meinen Bildern andere zu begeistern. Und jetzt kommt das langersehnte „aber“ ;-) Es ist nicht so, dass ich nur ein wenig fotografiere, genau genommen macht das Fotografieren nur einen ganz kleinen Teil meiner Arbeit aus. Den weitaus größeren Teil meiner Zeit investiere ich in die Vor- und Nacharbeit: Bilder sortieren und bearbeiten, Kennenlerngespräche, viel E-Mail- und Telefonkontakte, Angebote verschicken, stetige Fortbildung in Marketing, Bildbearbeitung und Fotografie um überall auf dem aktuellen Stand zu sein, Facebook, Blog, Website, Podcast, Hörbuch, E-Book, Seminare, Workshops, Equipmentpflege und -austausch um nur die wichtigsten Punkte zu nennen. Das alles macht Spaß, ist aber mehr als das „bisschen knipsen“. Tja, und hier sind wir beim eigentlich Punkt: Eine Hochzeit zu fotografieren ist, wenn man es mit Anspruch macht, extrem fordernd und anstrengend. Gleichzeitig darf es aber auch nicht so aussehen. Es ist wichtig, dass ich den kompletten Tag über fokussiert und aufmerksam bin. Schnell ist ein kurzer Moment verpasst und unwiederholbar vergangen. Wer sich einmal eine gewisse Zeit auf etwas konzentriert hat weiß wie anstrengend das auf Dauer ist.

 

Unter der Woche habe ich also genug zu tun :-) Im Winter ist es erfreulicherweise nicht so, dass hier nicht geheiratet wird, aber es ist etwas weniger als in der Saison von April bis Oktober. Hier ist dann die Zeit für Seminare, Fortbildung und die Vorbereitung auf die neue Saison. Dabei werden Reisen gebucht, Locations geprüft, Kooperationen mit anderen Dienstleistern geschlossen und Gespräche geführt um meinen Brautpaaren noch mehr anbieten zu können.

 

Die Hochzeitsfotografie ist zwar ganz klar mein Hauptgebiet, hier liegt mein Fokus und meine Leidenschaft, ich fotografiere daneben aber noch in anderen Bereichen wie Mitarbeiter für Firmen, Firmenevents, hochwertige Bewerbungsbilder und Familyshoots. In diesen Bereichen ist natürlich das ganze Jahr zu tun.

 

Fazit: Ein gutes Leben habe ich, weil ich die Hochzeitsfotografie extrem gerne mache. Mit ein „bisschen Geknipse“ ist es aber nicht getan, ich bin definitiv mehr beschäftigt als in meinem „vorherigen Vollzeitjob-Leben“.

 

Vielleicht konnte ich dir damit einen kurzen Einblick geben und gleichzeitig mit einem kleinen Mythos aufräumen.